Nahinfrarot-Therapie– Regeneration durch gezieltes Licht
- 15. März
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Aktualisiert: vor 12 Minuten

In der modernen Physiotherapie gewinnt das Nahinfrarot-Licht (Photobiomodulation), auch bekannt als Low-Level-Laser-Therapie (LLLT), zunehmend an Bedeutung. Sie nutzt rotes und nahinfrarotes Licht, um biologische Zellprozesse zu stimulieren und die Heilung von Gewebe gezielt zu unterstützen.
Wirkungsweise auf zellulärer Ebene
Zentraler Ansatzpunkt der Nahinfrarot-Therapie sind die Mitochondrien, die „Kraftwerke“ der Zellen. Licht im roten und nahinfraroten Bereich wird von Chromophoren wie der Cytochrom‑c‑Oxidase absorbiert und führt zu einer Steigerung der mitochondrialen Membranpotenziale und der ATP-Produktion. Gleichzeitig werden reaktive Sauerstoffspezies in niedriger, regulierender Konzentration und zelluläre Signalwege (z. B. NF‑κB, Wachstumsfaktoren) moduliert, was Reparatur- und Anpassungsprozesse unterstützt.
Diese Effekte gehen mit einer Modulation von Entzündungsmediatoren (z. B. Reduktion proinflammatorischer Zytokine) und einer verbesserten zellulären Stressantwort einher. Dadurch können Heilungsprozesse in Muskulatur, Sehnen und Bindegewebe unterstützt und strukturelle Anpassungen gefördert werden.
Therapieparameter in der Praxis
Die Wirkung von Nahinfrarot-Therapie hängt stark von den gewählten Therapieparametern ab. In der Literatur werden vor allem Wellenlängen im Bereich von etwa 600–1100 nm beschrieben, also im „optischen Fenster“, in dem Licht Gewebe mehrere Millimeter bis einige Zentimeter tief durchdringen kann.
Rotes Licht (ca. 600–700 nm) wird v. a. für oberflächlichere Strukturen wie Haut, Narben und oberflächliche Muskelschichten eingesetzt.
Nahinfrarotes Licht (ca. 800–1100 nm) eignet sich eher für tiefere Strukturen wie Sehnen, Gelenke und Muskulatur.
Je nach Zielgewebe und Gerät liegen Behandlungsdauer und Energiedosis typischerweise im Bereich weniger Minuten pro Areal und im therapeutischen Dosisfenster, da sich in Studien ein biphasischer Dosis-Wirkungs-Effekt zeigt: Zu geringe Dosen sind wirkungslos, zu hohe Dosen können den positiven Effekt wieder reduzieren. Die Wahl von kontinuierlichem oder gepulstem Licht, Impulsfrequenz und Leistungsdichte wird dabei an das jeweilige Behandlungsziel angepasst.
Effekte im Körper und Bedeutung für die Regeneration
Auf Gewebeebene kann Nahinfrarot-Therapie die Mikrozirkulation verbessern, die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung optimieren und die Kollagensynthese stimulieren, was in präklinischen Modellen mit einer schnelleren Wundheilung und besseren Gewebereorganisation einhergeht. Studien zeigen u. a. eine beschleunigte Wundheilung, vermehrte Fibroblastenproliferation und eine gesteigerte Expression von Wachstumsfaktoren wie VEGF und TGF‑β.
Klinische Arbeiten und Reviews berichten zudem über eine Reduktion von Schmerzen und Entzündungszeichen sowie eine Verbesserung von Funktion und Belastbarkeit bei muskuloskelettalen Beschwerden, wenn LLLT in passenden Dosen eingesetzt wird. Eine Metaanalyse zur LLLT bei muskuloskelettalen Schmerzen zeigt signifikante Verbesserungen von Schmerz und Funktionsscores im Vergleich zu Placebo, insbesondere bei empfohlener Dosierung.
Anwendungsbereiche in der Physiotherapie
In der Physiotherapie wird Nahinfrarot-Therapie vor allem als ergänzende Maßnahme in multimodalen Behandlungskonzepten eingesetzt. In Studien und Übersichtsarbeiten werden u. a. folgende Anwendungsfelder beschrieben:
Muskuloskelettale Schmerzen (z. B. Nacken‑, Rücken‑ und Schulterbeschwerden)
Tendinopathien und Sehnenreizungen
Arthrosebedingte Schmerzen und Gelenkbeschwerden
Unterstützung der Wund- und Narbenheilung
Weitere Bereiche wie neurologische und zerebrale Anwendungen werden in der Literatur zunehmend diskutiert, sind in der Regel aber nicht primärer Bestandteil der klassischen physiotherapeutischen Versorgung.
In Kombination mit aktiver Bewegungstherapie, manuellen Techniken und medizinischer Trainingstherapie kann Photobiomodulation dazu beitragen, Schmerzen zu reduzieren, Regeneration zu fördern und den Reha-Prozess zu unterstützen, sofern die Therapieparameter evidenzbasiert gewählt werden.
Fazit
Nahinfrarot-Therapie (LLLT) ist eine nicht-invasive, lichtbasierte Therapieform, deren Wirkmechanismen auf gut untersuchten zellulären Prozessen in den Mitochondrien und der Entzündungsregulation beruhen. Aktuelle Studien und systematische Übersichtsarbeiten sprechen für einen nutzenbringenden Einsatz bei ausgewählten muskuloskelettalen Beschwerden, insbesondere wenn sie in ein ganzheitliches physiotherapeutisches Behandlungskonzept eingebettet wird und die Dosisparameter evidenzbasiert gewählt sind.



